Der Plan / A Secret

Ich hab mir jetzt einen Monat Zeit gelassen, um (unter anderem auch laut) darüber nachzudenken, wie es mit diesem Blog weitergehen soll.

Ich danke euch allen sehr für euer Feedback, es hat mir sehr geholfen und das ein oder andere Mal auch deutlich die Augen geöffnet.

Daher hier ohne Umschweife der Plan, was passieren wird:

  • Das Botany Bay Blog (sprich: das hier) wird weiter bestehen.
    Will heissen, ich werde es nicht löschen und man wird bis in alle Ewigkeit (oder zumindest: solange es mich gibt und ich es mir leisten kann) hier nachlesen können, wie das damals war mit Botany Bay, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Die Adresse dafür lautet (weiterhin) blog.botanybay.cc.
    schallundstille.de wird in Zukunft woanders hin führen (aber dazu unten mehr)
  • Auf der Botany Bay Homepage (botanybay.cc) wird man in Zukunft und bis in alle Ewigkeit (s.o.) ausschließlich direkt und ohne Umwege unsere Musik zu hören kriegen. Momentan via Bandcamp, aber solche Sachen können sich ja bekanntermaßen ändern. Wenn ich Zeit und Lust habe werde ich schauen, dass ich unser allererstes Album („Tales Of The Bitter Seed“ aus dem Jahre 1997) auch noch verfügbar mache. Aber das bräuchte dringend neues Mastering und ich hab gerade gar nicht mehr die Hardware für die alten Analog-Mastertapes….
  • Botany Bay selbst bleibt ungeachtet all dessen im Ruhestand. Wobei ich nicht vollkommen ausschliessen möchte, das Projekt irgendwann mit neuen Leuten wieder zu beleben.
  • schallundstille.de (sprich: momentan noch das hier) wird in Zukunft zu meinem eigenen, themenübergreifenden Egoblog. Wo’s um alles gehen wird, was mir so einfällt. Musik, Fotografie, Weltanschauliches, Programmieren, so wie ich gerade Lust habe.
    Zu diesem Zwecke wird es neu starten, und zwar am ersten Mai 2016.
  • Ich arbeite gerade daran, ein neues, schnuckliges, kleines Aufnahmestudio an einer schnuckligen kleinen Location im Siebengebirge aufzubauen.
    Es wird noch ein bisschen dauern, ich muss noch ein paar technische Probleme lösen… aber sowie das getan ist, gibt es ein neues musikalisches Projekt, das hier seine Heimat finden wird, und von dem sicherlich in Bälde etwas zu hören sein wird.
    Und wenn es soweit ist dass das Ding funktioniert, dann habe ich auch gegen alle möglichen collaborations nichts einzuwenden. Nur momentan werde ich meine Energie darauf lenken, das zum Laufen zu kriegen.

Das war’s. Das ist der Plan.

Und für alle die bis jetzt durchgehalten haben, habe ich eine Art Botany Bay Abschiedsgeschenk vorbereitet, und zwar ein Session-Outtake aus der „Grounded“-Periode, das bis jetzt nicht im Netz veröffentlicht wurde.

Das Datum ist irgendwann 2007, die Location ist Lauras alte Wohnung in Aachen, ich sitze am Klavier und sie steht am Mikrofon, und wir versuchen uns gerade nochmal an Take 3 von „A Secret“.

Einen Song, den wir zusammen geschrieben haben, und der davon handelt, wie magisch und kostbar der Moment sein kann, und wie der Moment ein kleines Geheimnis ist… das Geheimnis, warum man weiter macht, immer weiter.

Eben dieses Momentes wegen nämlich.

 

A Secret

What’s it all about?
Wishing dreams were true or simply
Looking for a way
Or someone’s arms to fall into
I know what it’s like
To be lost and to be found
To be scared and all alone
Or to be where the river flows
To know what no one knows
And this is the sound
Of one secret left to keep

A pile of butterflies
Come run right through and set them free
Although one might say
They’re just a heap of autumn leaves
But watch how they fly
Just like sparks in the dead of night
And see how they dance
As the world is fast asleep
And when you hear me laugh
You know it’s the sound
Of the secret I still keep

Laura Dietrich – vocals
Stephan Kleinert- piano

addiction / red earth

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i know you do what you want
regardless of what i say
and if it tears us apart
then it’s the only way

i know you do what you want
no matter what i say
and if it tears us apart
then it’s the only way

So…

…geht es nicht weiter.

Ich will nicht so enden wie mein Vater.

Wirklich nicht.

Seit dem Niedergang von Botany Bay dreht sich hier alles in der Hauptsache darum, wie unbeschreiblich beschissen ich es finde dass und unter welchen Umständen Botany Bay gescheitert ist, dass mir niemand helfen möchte und dass all das tatsächlich noch weniger Leute interessiert als es jemals schon kaum jemanden interessiert hat.

Sollte mir irgendwas zustossen, dann wäre ausgerechnet dies das letzte Kapitel in meinem künstlerischen Werdegang.

Das darf so nicht sein.

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Hier muss was Neues her.

Und, was noch wichtiger ist, das Alte darf nicht länger bleiben.

Tja, und damit möchte ich auch schon mal ankündigen, dass das Blog in dieser Form nicht weiter bestehen wird. Ich möchte hier kein Denkmal für meine grenzenlose Enttäuschung stehen haben, und das wird es allmählich.

Wer nochmal die alten Geschichten lesen möchte, den Rest vom März lass ich es noch online. Es sind schöne Geschichten dabei.

Die Musik bleibt natürlich verfügbar. Ich bin weiterhin sehr stolz auf Botany Bay, und das wird sich auch nie ändern.

Es ist niemandem gegenüber böse gemeint… es wird einfach wirklich höchste Zeit für etwas ganz Neues, ohne Altlasten, und für mich wird es gerade sehr wichtig, dieses Denkmal hier abzureissen und, hoffentlich, irgendwann mal durch etwas Positiveres zu ersetzen.

An meine verbliebenen Leser/Hörer: Wenn jemand kreativen Input hat, nichts wie her damit. Ich bin auch für die abstrusesten Vorschläge offen (natürlich hab ich auch selbst eine Menge Ideen, aber noch nichts wirklich greifbares).

Klarstellung

Also, ich muss mal was klarstellen.

Vorher muss ich kurz ausholen: Gestern habe ich einen flüchtigen Bekannten getroffen, den ich zum letzten mal vor fünf Jahren gesehen habe. Wir hielten ein bisschen Smalltalk und irgendwann kam das Gespräch auf die Musik, und wie’s da so aussähe und ob ich noch was machen würde.

Ich so: „Nee, im Moment leider nicht wirklich. Es fehlt die Zeit und der Platz und die Leute und das Interesse und überhaupt irgendwie alles was nötig ist…“

Darauf er so: „Ja, verstehe ich, ich hab ja früher auch mal Gitarre gespielt, aber irgendwann ist diese Zeit halt vorbei…“

Darauf ich so: „Äh, nein.“

Und jetzt noch mal für alle, irgendwie ist mir das gerade ein Herzensbedürfnis:

Musik ist mir genau so wichtig wie eh und je.

Weder habe ich aufgegeben, noch ist irgendeine „Zeit vorbei“, noch war irgendeine Form von vermeintlich ernsthaftem und erwachsenen Berufsleben jemals wichtiger oder mehr real für mich als die Verwirklichung meiner musikalischen Vision.

Die Umstände sorgen leider dafür, dass diese Verwirklichung momentan nicht stattfinden kann.

Ich bräuchte Hilfe, allein schaff‘ ich es gerade nicht. Ok, und ich bekomme halt keine Hilfe, so ist das Leben. Ich beklage mich nicht länger darüber, aber ich möchte hier mal ganz explizit festgestellt haben:

Nichts ist vorbei, überhaupt nichts.

Als alle anderen Karriere und/oder Kinder gemacht haben, habe ich vier Jahre lang ein Album aufgenommen. Und genau so funktioniere ich auch heute immer noch. Und garantiert ist mir die Musik zig Millionen mal wichtiger als jeder Swift/ObjC/Java/Whatever-Progammierblödsinn, der mir auf Twitter (im Gegensatz zu meinen Musik-Tweets) immer so schöne Reaktionen beschert.

P.S.: Falls einer meiner Leser sich an der Lösung des Problems beteiligen möchte: Ich brauche dringend

    • im Raum Bonn/Königswinter/Rhöndorf einen Raum, in dem ich eine Hammond-Orgel nebst Leslie-Tonkabinett, ein Harmonium, 9 Synthesizer und Keyboards, zigtausend Percussion-Instrumente, diverse Mischpulte und Aufnahmeelektronik und was weiss ich was aufbauen und benutzen kann.
      Ich zahle auch sehr gerne gutes Geld dafür, aber nicht doppelt so viel wie für eine kleine Mietwohnung, so wie das in ZuhälterProberaum-Vermietungs-Kreisen in Bonn anscheinend mittlerweile üblich ist.
      Oh, und bitte nicht Köln. Köln geht nur, wenn man auf Dauer lebensverneinenden Selbstmord-Trashcore machen möchte.
    • motivierte Mitmusiker (gut wäre: eine Sängerin; noch besser wäre: eine Sängerin und ein Gitarrist; richtig gut wäre: eine Sängerin, ein Gitarrist, ein Bassist) die dabei bleiben, auch wenn es mal ne Weile nicht so toll läuft und/oder die grosse RTL-Berühmtheit ausbleibt.
      Ein halb fertiges Album wegwerfen zu müssen war schon wirklich beschissen schlimm und schmerzhaft. Das nächste halb fertige Album wegwerfen zu müssen war tatsächlich noch unangenehmer. Nochmal geht echt nicht mehr.

 

P.P.S.: Seht ihr?

I Won’t

Neulich gab es auf der K-Burg ein Wiedersehen der besonderen Art. Nämlich stand eines Abends Steffi vor der Tür, ihres Zeichens von 2010-2013 Sängerin von Botany Bay.

Die Ereignisse das Abends und des nächsten Morgens waren so unvorhergesehen, dass ich glatt vergessen habe, darüber zu bloggen. Was ich hiermit nachhole.

Also die zwei wichtigsten Dinge daraus schonmal zusammengefasst:

1. Ja, wir können immer noch super zusammen Songs schreiben, und
2. Nein, es wird keine Botany Bay Reunion geben

Als Steffi Botany Bay vor zwei Jahren zum Zwecke der Selbstverwirklichung verließ, da hatte ich ja ursprünglich den Plan gefasst, mit dem Rest der Band + Gastsängerinnen weiter zu machen… bis sich in einem für mich relativ unangenehmen Erkenntnisprozess herausstellte, dass der Rest der „Band“ in Wahrheit auch schon längst nicht mehr dabei war und ich mit einem halb fertigen Album mutterseelenallein dastand.

Ich war nicht begeistert (und bin es auch heute noch nicht).

Dennoch ist es so, dass Steffi und ich uns nicht im Streit getrennt haben. Es ging für sie einfach nicht mehr weiter mit Botany Bay… und inzwischen wissen wir, dass es für mich auch nicht mehr weiter ging.

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Seit damals haben unsere Leben sehr unterschiedliche und weit voneinander entfernte Pfade genommen.

Ich habe oben erwähnten Erkenntnisprozess hinter mir… und die Erfahrung, mit einem so gut wie nicht mehr vorhandenen Publikum wieder ganz von vorne anzufangen.

Bei Steffi lief auch beileibe nicht alles so, wie sie sich das vorgestellt hatte… Details haben hier nichts zu suchen, aber die Aussage, dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben, könnte sich nicht mehr bewahrheiten.

Bei ein paar (ok, ziemlich vielen) Gläsern Rotwein und spontan zusammenimprovisierten Spaghetti con Anchovis brachten wir einander wieder auf den neuesten Stand… es gab viel zu erzählen, und schnell wurde uns klar, in zwei Jahren kann sich ganz erstaunlich viel ändern.

Und was uns auch wieder klar wurde: Wir konnten schon immer unsere Gefühle und Erlebnisse zusammen in einen Topf werfen, einmal kräftig umrühren und Musik daraus machen.

Wir hatten nun wirklich nicht geplant, an diesem Abend einen Song aufzunehmen, aber es ergab sich einfach so. Steffis Geschichte, meine Geschichte, und eine Art Empathie zwischen zwei Songschreibern, die alles andere als selbstverständlich ist.

Das Ergebnis heißt „I Won’t“… und wäre es mit Botany Bay weiter gegangen, so würde unser 2015er-Album wohl (unter anderem) so klingen:

Wir haben uns mehr als einmal angeschaut und es nicht nur gedacht sondern auch ausgesprochen: Wenn nicht alles so wäre, wie es ist… dann sollte man mehr davon machen… eine ganze Platte am besten. Und dann ein bisschen durch die Clubs tingeln. Aber die Pfade die wir gegangen sind, die lassen so etwas einfach nicht mehr zu.

Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass wir es noch können, und dass uns die Musik auch weiterhin verbindet. In diesem Sinne: Vielen Dank, Steffi, und ich freue mich auf das nächste Mal… wann auch immer das sein wird.

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Nachtrag:

Steffi war gerade so nett, mir die Lyrics zu schicken. Hier sind sie:

I searched for love
I searched where I belong
I found enough
I found that I was wrong
But I won’t give up

Lived in heaven
And survived hell indeed
Waited seconds
and ran too far too deep
Flew high above
Before I crashed the wall
But in the end
Recovered from it all
And I won’t give up
That’s why I won’t give up

But life goes on
This one thing is for sure
Moments are now
That’s what I’m living for
And I won’t give up
No I won’t give up
No