Woman, oh woman, I’m lost for words…

Ich gebe zu, ich habe hier sehr lange nix mehr reingeschrieben, was das neue Botany Bay – Projekt betrifft… aus dem einfachen Grund, weil es nach unserem Rauswurf aus der Halle nichts zu schreiben gab…

…aber jetzt bin ich wirklich sehr glücklich darüber, berichten zu können, dass Botany Bay auf dem Dilsberg eine neue Bleibe gefunden haben, und dass Alex und ich letzte Woche das neue Studio mit der Aufnahme von zwei neuen Songs, “Never Been Easy” und “Her Name” eingeweiht haben :-D

“Her Name” wurde schon im Februar dieses Jahres begonnen und ist das erste Lied, das Alex und ich zusammen geschrieben haben. Will heißen, Alex hat den Text geschrieben und ich hatte nach ca. einer halben Stunde den Song dazu fertig. Soooo schnell kann es gehen, wenn ich nicht die Texte schreiben muss ;-)

Nur leider dauerte es dann dank Heidelbergs großem Kunstförderer Hannes Seibold ziemlich lange, bis wir das Ding endlich aufnehmen konnten. Aber wie heißt es so schön, gut Ding will Weile haben, und noch ein paar weitere Songs, und ich kann über Hannes endlich lachen. Anyway, “Her Name” ist ein sehr schönes, melancholisches und intensives Lied geworden, und ich hoffe, dass es den Anfang weiterer schöner Kooperationen mit Alex markiert.

Das andere Lied, das seit fünf Jahren ausschließlich unter dem Namen “der Tori-Song” in meinen Gehirnwindungen rumgeistert, hat eine ganz andere Geschichte. Diese beginnt im Jahre 2000 in einem Studentenwohnheim in der Nähe des Bunsen-Gymnasiums, wo damals unsere Gitarristin Ani ihre Bleibe hatte.
Und genau bei dieser Ani fand sich Stephan damals ein, um zusammen mit den Leutchen dort ein paar Bierchen zu trinken, seltsames Kraut zu rauchen und auch ansonsten den Versuch zu unternehmen, das Leben zu genießen.
Das gelang auch recht gut, bis Ani etwas später am Abend auf die Idee kam, eine CD von Tori Amos einzulegen.

Nun mochte ich Tori Amos damals eigentlich recht gerne; Sie spielt Klavier, das ist schon mal ein Pluspunkt. Und sie schreibt sehr intime, persönliche Texte, was auch großen Respekt verdient. Und überhaupt.

Es muss der Einfluss des seltsamen Krautes gewesen sein, der den Eindruck der Musik damals nachhaltig verstärkte. Zeilen wie “Look I’m standing naked before you / Don’t you want more than my sex? / I can scream as loud as your last one / But I can’t claim innocence” drangen mit verführerischer Stimme an meine Ohren und gaben sich, in meinem Gehirn angekommen, alle Mühe, mich dazu zu bringen, mich für die Tatsache, dass ich ein Mann bin und ab und zu gegen Geschlechtsverkehr nicht wirklich etwas einzuwenden habe, hundemiserabel zu fühlen.

Doch Tori liess es damit nicht gut sein. Und drei oder vier Lieder weiter stand für mich fest: Männer sind Scheisse. Männer sind das Allerletzte. “Duuuuu, Ani… hast Du Dein tolles Schweizer Messer gerade parat? Ich würde mich jetzt nämlich gerne sofort freiwillig selbst kastrieren.”

Ok, ich gebe zu, ich habe übertrieben. Aber dennoch… damals reifte in mir der Wunsch, ein Lied darüber zu schreiben, dass es verdammt noch mal auch nicht gerade einfach ist, ein Mann zu sein.

Es dauerte fünf Jahre, bis “Never Been Easy” dann schließlich aufgenommen wurde, weil mir die ganze Zeit ein gescheiter Sänger dafür fehlte. Bis dahin hatte ich das Lied immer mal wieder auf Parties gespielt, weil es sich dazu hervorragend eignete… es besteht nur aus Klavier und Gesang, wie es sich für ein vernünftiges Tori-Amos-Lied gehört… Dementsprechend haben Alex und ich das Ganze dann auch live aufgenommen, eine für Botany Bay eher ungewöhnliche Herangehensweise.

“Never Been Easy” wird die nächste Web-Single sein, damit auf der Webseite auch mal wieder ein Lebenszeichen ist. Und dann wird es mit der Zeit furchtbar bekannt und zu einer Hymne für vom Leben geplagter Männer werden. Aufgrund dieser Tatsache wird “Sweetness Of Being Yourself” in die Charts schiessen und wir kommen endlich zu einem Plattenvertrag, der es uns ermöglicht, noch viel mehr schöne Musik zu machen, und die Musikzeitschriften werden schreiben: “Es ist ein Rätsel, wie eine solche Band so lange unentdeckt ihr Schattendasein fristen konnte”. Und Tori Amos wird es auch zu hören kriegen und für ihre nächste Platte eine Coverversion davon machen. Oder so.

Nee, Quatsch, dreieinhalb Leute werden das Teil runterladen und dann wieder vergessen. Aber immerhin. Ich kann endlich wieder aufnehmen. Das ist schonmal gar nicht schlecht.

Gute Nacht allerseits

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