Vom Armenhaus Internet und den SPON-Stammtischbrüdern

Alle paar Monate geschieht es, daß sich eine der traditionellen Nachrichtenquellen in diesem unserem Lande mit dem Thema “Musik im Internet” auseinanderzusetzen versucht. Dabei geht es allerdings zumeist nicht um die freie Musikszene oder CC-Lizenzen (zu klein/zu unbedeutend) oder grandiose Geheimtipps, auf die man beim Surfen zufällig gestoßen ist (ok, um die geht’s zwar sehr oft, aber jene vermeintlichen “Geheimtipps” werden meistens von Promotionagenturen gut bezahlt, und deshalb gelten sie hier nicht), sondern eher um Allerweltsgedresche über die Musikindustrie und ihre Probleme, sich in der neuen Umgebung Internet zurecht zu finden, über “Raubkopierer”, über die Stasi GEMA vs. Youtube und anderen Blödsinn mehr.

Willkommen zum SPIEGEL ONLINE Diskussionsforum! Unser Thema heute: 10000 Leute, die noch nie eines gesehen haben, erzählen Ihnen was vom Pferd!

Insofern kann man es schon beinahe als außergewöhnlich und erstaunlich bezeichnen, dass der SPIEGEL ONLINE sich gestern vermittels eines Artikels mit der Überschrift “Das Internet, ein Armenhaus für Musiker” anschickte, den Mann von der Straße über den Umstand aufzuklären, daß aus dem Internet nicht die Goldgrube geworden war, die sich einige Musiker wohl erhofft hatten – und darüber, dass ein Song auf last.fm monatlich 12399 mal runtergeladen werden muss, damit der betreffende Künstler mit den Einnahmen den US-Mindestlohn erzielt.

Dabei war es vorhersehbar, daß SPON  den Fehler begeht, einige gewichtige Tatsachen unter den Tisch fallen zu lassen und die Hintergründe nicht mal ansatzweise zu beleuchten – nämlich beispielsweise

  • die Frage, warum sich einige Musiker mehr vom Internet erhofft hatten, und warum sie sich herbeigesehnt haben, dass die Karten jetzt endlich neu gemischt werden – sprich, welche Situation es genau ist, die die Kreativen unzufrieden macht
  • die Tatsache, dass der Vertriebskanal Internet zwar vor einem gefühlten Jahrzehnt “neu” und sowas wie “revolutionär” gewesen sein mag, dass er aber Marketing und Promotion nicht überflüssig gemacht hat und dies auch niemals tun wird. Wer online nicht den benötigten oder gewünschten Erfolg hat, der hat ihn zumeist deshalb nicht, weil die anderen lauter schreien und mehr Geld in die Promotion stecken (ja, ich spreche aus eigener Erfahrung, und weil ich nach 4 Jahren freier Musik nur allzu gut weiß, wie diese ganzen Mechanismen funktionieren), oder
  • die Tatsache, dass last.fm und iTunes nicht die einzigen Plattformen sind, auf denen sich Musik verkaufen lässt, oder
  • dass es mit CC-Lizenzen, kombiniert mit Spenden und Merchandise, auch im Internet alternative Vertriebsformen gibt (was die breite Masse und SPON-Leserschaft allerdings in hundert Jahren nicht mitkriegen wird, weil die Köpfe viel zu sehr mit Bohlen und Raab und mit den etablierten Mechanismen eines etablierten Marktes vollgedröhnt sind), oder
  • dass hinter den Downloads auf den großen kommerziellen Musikplattformen immer noch eine Marktmacht und insbesondere die selbe alte Marketing-Maschinerie steckt, die mit dem Musiker oder gar der Musik selbst nicht das geringste zu tun hat, oder
  • oder oder oder.

Natürlich ist es irgendwo schade, dass SpOn einmal mehr die Chance vertut, diese Marketingmechanismen näher zu beleuchten, alternative Veröffentlichungsformen vorzustellen und der Ursache auf den Grund zu gehen, warum manche Leute von (oftmals grottenschlechter) Musik leben können, und andere Leute (von oftmals viel besserer Musik) nicht im geringsten… aber darum soll es in diesem Posting überhaupt nicht gehen.

Denn viel interessanter als der Artikel selbst sind die Reaktionen im Diskussionsforum. Ja, ich fühle mich hier gar zu der Aussage hingerissen, dass sich noch nie in solch konzentrierter Form gezeigt hat, wie hoffnungslos verquer die öffentliche Wahrnehmung von Musikern und Musik ist, und welchen gigantischen Schaden die Musikindustrie und die Massenmedien in den Köpfen der Menschen angerichtet haben.

Sucht euch halt einen richtigen Job!

Den Anfang macht gleich mal ein “Walter Sobchak” mit

Was fuer ein Unsinn. Dann sollen die Kuenstler ihre Musik selber zum Download anbieten. Oder sich einen richtigen Job suchen.

Immer wieder gehört, immer wieder 100% Schwachsinn: Das “sucht euch einen richtigen Job”-Märchen. Ich kenne eigentlich fast nur Musiker (mich selbst eingeschlossen), die einen “richtigen” Job haben, die sich die wenige Zeit, die sie auf Musik verwenden können, redlich verdienen müssen; die nichts lieber tun würden, als damit, was sie wirklich können und wirklich wollen, Geld zu verdienen… die aber einfach nicht das Glück und/oder die Kohle haben, die es dazu nunmal braucht.

Naja, geschenkt. Wesentlich schlimmer geht es weiter mit der nächsten Anmerkung von “motorpsycho” (wobei mir der Name Programm zu sein scheint):

Woher kommt eigentlich der Anspruch, von etwas Leben zu können, wonach offensichtlich keine Nachfrage herrscht und einen auch niemand beauftragt. Ich falte ja auch keine Papierhütchen, setze mich damit in die Fußgängerzone und beschwere mich, dass ich damit nicht über die Runden komme.

Hey, geht’s noch? Erstens hat niemand über den “Anspruch” geredet, von irgendwas leben zu können. Aber gut, reden wir mal kurz darüber:

Wenn ich etwas kann, unter Umständen sogar verdammt gut kann, wenn dieses Etwas Wissen, Können und Begabung erfordert, und wenn es mir darüberhinaus auch noch Freude bereitet, ist es dann wirklich so weit hergeholt, dass ich mir zumindest von Herzen wünsche, davon leben zu können (auch wenn ich inzwischen durchaus eingesehen habe, dass es dazu niemals kommen wird)?

Nächster Teilsatz: “…wonach keine Nachfrage besteht”. Sorry, ich muss mich gerade mal kurz übergeben. Was ist denn bitte “Nachfrage” und wer generiert sie? Vor dem Tippen das Hirn aktiviert? Nee, sah mir auch nicht danach aus. Ok, Kinder, Stephan erklärt euch jetzt mal kurz, woher die Nachfrage kommt: Im SPIEGEL ONLINE (welcher ja bekanntlich ein Nachrichtenportal für die ‘n bisschen Schlaueren unter uns sein soll) gab es 62479 Zugriffe auf das Diskussionsforum zu  DSDS, während die Diskussion zu einem Artikel über die Jazz-Messe mit 748 Zugriffen auskommen musste (und ein imaginärer Artikel über die freie Musikszene vermutlich nicht mehr als 100 Zugriffe hätte). Bitte alle wiederholen: Nachfrage kommt durch Marketing. Und diese Nachfrage bei einer derartig gehirngef*ckten Konsumentenmasse als die allgemeingültige Antwort auf alle Probleme zu sehen, das ist einfach nur dumm.

Ah, und noch ein Teilsatz: “…und einen auch niemand beauftragt”. Oh mein Gott, ich muss mich schon wieder übergeben. (*strammsteh*, *kotzewegwisch*) Jawoll, Sir!! Wenn alle Menschen nur das tun, wozu sie beauftragt werden, nur dann kommt die Welt voran, Sir! Sir! Ich habe nur Befehle befolgt, Sir!

"Nein, Sir, Sergeant, Sir!! Niemand hat mir befohlen, Musik zu machen!"

Soll ich noch was zu “Ich falte ja auch keine Papierhütchen, setze mich damit in die Fußgängerzone und beschwere mich, dass ich damit nicht über die Runden komme.” (und zu all den anderen Verallgemeinerungen, deren Grundaussage darin besteht, dass Musik was total Simples ist, was jeder Vollidiot hinkriegt) sagen? Vielleicht nur so viel: Leute, setzt euch einfach mal hin, hört euch das hier an (und damit meine ich: Anhören! und nicht mitten im Intro abschalten weil man nicht mal in der Lage ist, 15min Geduld aufzubringen!), und versucht danach, eine ähnlich aufwendig produzierte, hörbare CD zu veröffentlichen. Vier Tracks reichen. Und bis es soweit ist: Einfach mal die Klappe halten.

Ein “Hercules Rockefeller” meint wenig weiter unten, folgendes in die Welt hinein ausscheiden zu müssen:

Es nervt mich auch diese im Internet verbreitete Trotzhaltung vermeintlich “Kreativer”, die unentwegt rumnölen, dass ihren Mist keiner bezahlen will. Ja Himmelhergott, dann geht halt in Vorleistung und lasst eure Bücher drucken, eure CDs pressen und stellt die in die Läden-offline, wie uncool! Dann können diese Ausnahmetalente mal sehen, ob sie ohne pöse Raubkopierer und Nopaylistener den Reibach machen. Dürfte für viele ein Schock sein, dass das Internet auch nur die Realität abbildet und keine neue Dimension ist.

Ach wie putzig. Hercules, das hast Du so schön gesagt (Du gestattest doch, dass ich “Du” zu Dir sage), da möchte ich Dir beinahe direkt darauf antworten. Und zwar dieses:

Wer bist Du, dass Du Dir ein Urteil darüber anmaßt, wer kreativ und wer nur “vermeintlich” kreativ ist? Wer bist Du, dass Du die Probleme Kreativer als “Genöle” abtust? Warst Du auch nur einmal im Leben auf Jamendo und hast Dir angehört, wie hoch die Qualität und wie groß die stilistische Bandbreite der Menschen ist, die Du in Deiner grenzenlosen Ignoranz alle über einen Kamm scherst? Weißt Du eigentlich, wieviele Künstler, zusätzlich zu ihren Online-Auftritten, CDs pressen lassen, Booklets drucken lassen, zigtausende von Euro in Produktion und Euqipment stecken, live auftreten, sich von irgendwelchen Möchtegern-Managern verarschen lassen und sich vor lauter Stress, Aufwand, Ausgaben und ständigem Augen-Zu-Und-Durch-Auch-Wenn-Ich-Gerade-Mal-Wieder-Laut-Schreien-Könnte gegenseitig derartig gewaltig auf den Nerv gehen bis endgültig alles zu spät ist… aber ich schweife ab.

Ach, weißt Du was? Geh doch einfach wieder zurück in Deinen Fernsehsessel und lass Dich mit DSDS berieseln, das ist ganz genau die Strafe, die Du verdient hast… das heisst, nee, warte, lass mich Dir vorher noch

Und wenn man heute mit Musik verdienen will, dann darf man eben keinen Nischenlärm machen, sondern muss tatsächlich die Massen ansprechen wollen. Wer meint, es wäre nur Kunst, wenn einen möglichst viele Menschen nicht mögen, dann irrt jener. Michael Jacksons Musik bspw. war massenkomtabel, selbst wer den Künstler lächerlich fand, die Musik war anerkannt. Heutige Musiker liefern grottige Musik ab und verkaufen nur an Leute, die den Künstler mögen-die Musik ist austauschbar, nach wenigen Monaten bereits vergessen, wenn nicht früher.

Also, von nichts kommt auch nichts. Sich mal hinsetzen, ordentliche Musik machen, mit der sowohl Oma als auch Enkel was anfangen können und Texte schreiben, die nicht jeder bekiffte Schülerbandtexter in fünf Minuten auf dem Klo zusammentexten kann. Und auch mal was anderes machen! Wenn alle halbnackt auf vermeintliche Tabubrecher machen, dann sollte es eigentlich verdammt einfach sein, mit guten Texten und guter Musik nen Start hinzulegen.

Aber was bekommen wir? Jammerlappen, die das selbe vertonen, was schon jeder kennt. Keine zeitgemäßen Texte, nur Wortbrei ohne Message und wenn Message, dann von wohlbehüteten Wohlstandsspinnern, deren größte Lebenskrise die eigene lächerliche Drogensucht ist. Schönen Dank, da zahlen die Leute nicht für. Dem Drogenjunkie am Bahnhof wirft man ja auch keine 100€ hinterher, dem alternativen Müslirocker aus dem besetzten Haus auch nicht.

um die Ohren schlagen.

Kennst Du, lieber Hercules, den Grund, warum ich hier und auch sonstwo nichts über Teilchenphysik, Quarks und das erweiterte Relativitätsprinzip schreibe? Ganz genau, das ist deshalb so, weil ich von diesen Dingen nicht das Geringste verstehe und mich auch noch nie damit beschäftigt habe. Und Deine Hausaufgabe ist es jetzt, herauszufinden, was mein letzter Satz mit der geballten geistigen Diarrhoe zu tun hat, die Du im SpOn-Forum von Dir gibst.

"...dann von wohlbehüteten Wohlstandsspinnern, deren größte Lebenskrise die eigene lächerliche Drogensucht ist"

Ich könnte noch seitenlang so weiter machen. Würde aber niemandem was bringen, ausser evtl. mir selbst das nächste Magengeschwür.

Natürlich gibt’s im selben Thread irgendwann dann auch mahnende Stimmen und ab und zu beinahe die Ansätze zu einer konstruktiven Diskussion… dennoch, die vorherrschende Meinung dieses unseres Volkes lässt sich verkürzt mit

Musik ist nicht wichtig, sie ist nichts wert, es ist keine richtige Arbeit, und wer nichts damit verdient ist selbst schuld (und vermutlich ein arbeitsloser, zugekiffter Hausbesetzer)

zusammenfassen.

Und allmählich geht mir ein Licht auf, und mein Leben wird um vieles leichter. Denn unter diesen Umständen bin ich beinahe schon froh, dass sich der Erfolg mit Botany Bay nicht so richtig einstellen mag.

Auf so ein Publikum kann ich nämlich gut und gerne verzichten.

(Bildquellen: Seattle Municipal Archives, Karpov The Wrecked Train, CC-BY)

13 Gedanken zu “Vom Armenhaus Internet und den SPON-Stammtischbrüdern

  1. Hm, Dir ist aber schon klar, dass Spiegel Online nicht gerade der Ort ist, wo sich die Leute tummeln, die sich groß Gedanken machen, bevor sie was schreiben? Also, auf das, was Spiegel-Online-Forenleser schreiben, würde ich mal weniger geben als auf das, was die BILD schreibt. Tut mir leid, dass Du soviel Zeit damit verschwendest, Dich so aufzuregen, aber hättest Du die Kommentare zum Artikel über die Frau, die ihre Neugeborenen getötet hat, gelesen, hättest DU schon vorher gewusst, dass da nicht mal 1% das Gehirn anschalten, bevor sie was schreiben. Wozu auch. Ist wirklich 100% Stammtisch. (Na gut, 99%, sorry an die 1% Forumsposter, die sich jetzt vielleicht zurecht beleidigt fühlen.)
    Du sollst jetzt überhaupt die Free Music Charts hören.
    Die Bilder samt Unterschriften gefallen mir aber. :D

  2. zur FMC-Ausstrahlung war ich leider verhindert (da scheinen ja merkwürdige Ding im Voting passiert zu sein); aber ich werd sie mir anhören sowie der Podcast raus ist…

  3. Glaub das Problem war, dass man mehrfach voten kann, aber das an sich nicht darf. Wenn man dann einfach dem Link folgt und abstimmt, ohne sich das groß durchzulesen, oder auch wenn man einfach vergisst, dass man das schonmal gemacht hat, stimmt man zweimal ab. Kann nicht mal ausschließen, dass mir das selbst passiert ist.

  4. Wir haben das Thema ja schon besprochen. Wollte nur noch hinzufügen, dass die Menschen die Kunst nicht erleben können doch zu bemitleiden sind. Sei es Musik, Poesie, abstraktes Zeug, Fotografie, komische Installationen, Malerei, Handwerk, Programmieren etc. wer keinen Zugang zur Kunst findet und sei es nur als *Konsument* hat sein wirkliches Selbst nicht gefunden. Und diese Menschen sind zu bemitleiden. Sie Bedürfen keiner öffentlichen Geiselung ihrer armseligen Meinung sondern einer Einweisung in die Schule der Selbsterkenntnis. Und dieser Schulen bedarf es leider zuhauf.

  5. Das hast Du sehr schön gesagt. Nur ist das die Art von Schule, die nicht gebaut werden wird.

    Oder besser gesagt, ehe sich an der Einstellung der Gesellschaft im Großen und Ganzen etwas ändern wird, muss es erstmal ganz gewaltig knallen.

  6. “Oder besser gesagt, ehe sich an der Einstellung der Gesellschaft im Großen und Ganzen etwas ändern wird, muss es erstmal ganz gewaltig knallen.”
    Ich kann deine Wut verstehen und teile deine Meinung bezüglich des SpOn-Themas, doch der Pessimismus bezüglich der Einstellung der Gesellschaft und der Knall als einziger Ausweg scheinen mir zu resignativ. Kopf hoch, Brust raus und weiter fein im eigenen Umfeld etwas anderes vorleben, dann wird sich einer anderer Geist fortpflanzen und vermehren.

    Grüssle
    manka

  7. Hallo Stephan, ich bin eine von den SpOn Forum Schreiberlingen und habe diese Webseite in Deinem Post (link) gefunden.

    Zwar bin ich der Meinung, dass Du manches wohl aus Deiner Warte extra missverstehst (“die doofen Normalos wieder, die verstehen ja nix von Kunst, diese BANAUSEN”), aber ich bin trotzdem neugierig geworden auf Deine Alben.

    Ich habe auch bis jetzt noch nie von jamendo gehoert, ich wusste gar nicht, dass es so etwas wirklich offiziell und legal gibt. Sonst hole ich mir meine Musik immer von den hunderten blogspots (google blogs) oder eben direkt von den Musikern, die ihre Sachen anbieten.

    Ich bin nun Deiner Einladung gefolgt und habe den link zu jamendo geklickt, wo es zum Album “Grounded” ging. Ich habe ungefaehr 20 min hingehoert und dann alle drei Alben heruntergeladen. Der Stil geht wohl in Richtung New Age?

    Wenn mir jetzt Mike Oldfield, Jean Michel Jarre oder Vangelis einfallen, bin ich dann auch eine Banausin? Tut mir leid, vielleicht ist es einfach in der menschlichen Psyche, etwas Neues (Unbekanntes) immer mit etwas schon Bekanntem zu vergleichen, das tue ich wohl. Aber es ist eine sehr angenehme Musik, finde ich. So auf den ersten “Blick”.

    Ich muss jetzt das Kochen anfangen (ich bin eine mittelalte amerikanische Hausfrau), daher musste ich hier abbrechen. Aber mein erster Eindruck ist ganz gut, und ich werde mir alles wirklich anhoeren, versprochen, und dann auch Rezensionen schreiben!

    Und sei nicht so streng mit uns armen SpOn Foristen, wir haben doch schon genug unter den Zensoren dort zu leiden!

  8. @manka: Danke für Dein Verständnis. Ich resigniere ja nicht… ich mache weiterhin Musik, und diese wird auch weiterhin gehört; ich erkenne nur, dass es so gut wie unmöglich ist, an einen Großteil der Menschen ranzukommen, einfach wegen dem, was sich nach Jahrzehnten des Weichspülens durch Massenmedien & Musikindustrie in den Köpfen festgesetzt hat…

    Liebe Grüße
    Stephan

  9. Hallo albgardis,

    vielen Dank für Deine Antwort!

    Ich wollte gar nicht so rüberkommen, dass ich über all dem stehe und jeden der’s nicht hören möchte, als Banausen und Kunstverächter bezeichne. Meine Wut kommt wo ganz anders her, nämlich von der geballten Ignoranz und den vorgefertigten Meinungen, die einem als Musiker entgegengeschleudert werden. Und vor allem ist sie deshalb vorhanden, weil ich ganz klar sehe, woher diese Ignoranz kommt.

    Du schreibst:

    Ich habe auch bis jetzt noch nie von jamendo gehoert, ich wusste gar nicht, dass es so etwas wirklich offiziell und legal gibt. Sonst hole ich mir meine Musik immer von den hunderten blogspots (google blogs) oder eben direkt von den Musikern, die ihre Sachen anbieten.

    Natürlich wusstest Du nicht, dass es “so etwas wirklich offiziell und legal gibt”; und da kann Dir auch niemand einen Vorwurf daraus machen. Hunderte von teilweise wirklich genialen Musikern möchten einfach nur, dass ihre Werke gehört werden, und wollen eine Alternative zu all dem Kommerz etablieren, der nach wie vor von der Unterhaltungsindustrie ferngesteuert wird.

    Und was passiert? Niemand weiß was davon.

    Weil diese Entwicklung von den etablierten Medien mit einer beinahe schon gespenstischen Beharrlichkeit ignoriert und totgeschwiegen wird.

    Und warum ist das so? Weil da halt kein Geld fließt. Weil niemand für Werbung oder auch direkt für ein Review zahlt, und man den Kuchen weiter ausschließlich innerhalb der symbiotischen Abhängigkeit Musikindustrie und Massenmedien aufteilen möchte, so wie man das schon die letzten paar Jahrzehnte lang gemacht hat (der SpOn macht da keine Ausnahme. Ich habe schon ne wunderbare Absage von der Musikredaktion gekriegt, mit dem Tenor ‘wir können uns nicht um jeden Scheiß kümmern’; und so ne Absage ist das höchste der Gefühle, normalerweise hört man einfach gar nichts mehr).

    Das alles wäre schon schlimm genug. Wenn dann aber noch ein paar Ober-Schlaumeier ankommen und Plattitüden wie “es gibt doch eh zu viel Musik, sucht euch einen richtigen Job!” oder “das ist doch eh alles nur Krach von bekifften Wohlstandskindern” in die Welt setzt, dann brennt bei mir ganz schnell die Sicherung durch. Das hat nichts mit Kunst vs. Kommerz zu tun, sondern einfach mit der Einsicht, dass das ganze System kaputt ist. Broken beyond repair.

    Wenn mir jetzt Mike Oldfield, Jean Michel Jarre oder Vangelis einfallen, bin ich dann auch eine Banausin? Tut mir leid, vielleicht ist es einfach in der menschlichen Psyche, etwas Neues (Unbekanntes) immer mit etwas schon Bekanntem zu vergleichen, das tue ich wohl. Aber es ist eine sehr angenehme Musik, finde ich. So auf den ersten “Blick”.

    Nee, Vergleiche sind doch vollkommen ok! Teile von “Grounded” könnte man sicher als New Age betrachten, wobei wir auch in die Richtung World Music, Pop und Trip Hop gehen… ich tu mich immer ziemlich schwer damit, das zu kategorisieren. Wahr ist, dass “Grounded” insgesamt ein ruhigeres Werk ist (wobei wir auch ganz anders können!)

    Ich freu mich auf jeden Fall, dass Du reingehört hast, und dass Du auf die Art und Weise Jamendo entdeckt hast… wie heißt es so schön, steter Tropfen höhlt den Stein ;-)

    Liebe Grüße
    Stephan

  10. Zu jedem Thema gibt es Leute mit einer blöden Stammtisch-Meinung, und dass die sich in der Anonymität des Internet und über ein Thema, wo sich ohnehin fast niemand so richtig auskennt, besonders gern äußern, das ist doch völlig normal… Insofern verstehe ich immer noch nicht richtig, worüber Du Dich so aufregst, Stephan.

    Aber andererseits gibt es ja, wie man sieht, auch andere Leute, sogar auf Internetforen ;) . Insofern hat sich das Aufregen wenigstens gelohnt.

  11. @BB: Das Problem ist: ich erlebe diese Stammtischmeinungen im kleinen wie im großen. Im direkten Umfeld und in anonymen Diskussionsforum. Sie sind überall.

    Vor kurzem erzählte mir ein Kollege, er hätte sich jetzt endlich mal meine Musik angehört (nachdem er seit >3 Jahren wusste, dass ich Musik mache). Er war vollkommen hin und weg, begeistert bis zum Anschlag. Was mich natürlich sehr glücklich macht. Zitat: “Wenn ich das nur vorher schon gewusst hätte, dann wäre ich auf jedes Konzert gekommen!”.

    Worauf ich natürlich fragen musste, warum er denn nicht vorher schon reingehört hat. Wollte er nicht sagen. Ich: “Komm schon, ich bin auch nicht sauer… und es ist wichtig für mich, weil ich irgendwie wissen will, wie ich mehr Hörer kriege”.

    Die Antwort nach einigem Zögern: “Hm… na ja… ich dachte, wenn ihr das selbst macht und vertreibt und verschenkt… dann kann das nix taugen…”

    Ich konnte seine Aussage im Geist noch ergänzen: “…und wenn Du hier sitzt und Software entwickeln musst, statt dass Du von Deiner Musik leben kannst, dann kann sie nicht gut sein.”

    Natürlich bin ich ihm nicht böse, und ich bin froh, einen neuen Fan zu haben. Aber es macht mich traurig und wütend, dass man gegen diesen Bullshit in den Köpfen so verdammt schwer bis überhaupt nicht ankommt.

    Falk Merten hat heute ein schönes Zitat auf Facebook gepostet, das lautet “Die effizienteste Manipulation von Medien ist das Verschweigen”. Wie oben schon gesagt, es ist schlimm genug dass – unter anderem ganz genau dank dieser Tatsache – freie Musik von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Aber noch schlimmer ist es, dann auch noch solche Meinungen ertragen zu müssen, egal wo.

    LG
    S.

  12. Pingback: Goodbye, GarageBand! at Botany Bay

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